Idealbilder #3.1: Schönheitsideale – Lass Dir nicht sagen, wie Du auszusehen hast

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Heute geht es um Schönheit. Ein wahnsinnig spannendes Thema und ein Begriff, der auf so viele Weisen interpretiert werden kann. An dieser Stelle soll es aber nur um die äußerlichen Ideale der Schönheit gehen, mit denen wir wirklich ständig konfrontiert werden! Jeder hat schon man in den Spiegel geschaut und an sich etwas zum Rummäkeln gefunden: „Meine Nase sieht doch irgendwie zu groß aus.“ „Meine Haut ist nicht glatt genug.“ „Ich hätte lieber einen flacheren Bauch“ „Irgendwie sehen meine Proportionen komisch aus..“

Wie sind wir nur hier her gekommen?

Aber wie kommt es, dass wir unseren Körpern mit so viel Missgunst begegnen? Wie kann es sein, dass es uns so schwer fällt unsere Körper mit Liebe zu betrachten? Warum sind wir nie ganz zufrieden mit dem, was wir im Spiegel sehen? Wo kommen diese Unsicherheiten und Zweifel her?

Die Antwort liegt auf der Hand: Es sind die Ideale, die uns dazu zwingen ständig zu vergleichen und immer wieder festzustellen, dass wir ihnen nicht ganz entsprechen. Deshalb können wir auch nie zufrieden sein. Aber wer besimmt denn, was ideal ist und was nicht? Im Grunde sind es wir selbst, denn Schönheitsideale werden aus zwei Einflussfaktoren gebildet: den biologischen und den gesellschaftlichen.

Was können wir aus Evolution und Biologie lernen?

In der Biologie ist das höchste Ziel immer die Reproduktion, sprich Fortpflanzung. Wer erfolgreich reproduzieren will, möchte auch einen Partner finden, der Erfolg verspricht. Durch die Evolution haben sich in unseren Köpfen also einige Merkmale und Vorlieben tief verankert, die besonders erfolgsversprechend sind.

Am Beispiel zurück in die Steinzeit

Für Frauen gilt immer das Ideal möglichst jung auszusehen. Denn junge Frauen waren mit größerer Wahrscheinlichkeit gesund und noch länger fruchtbar. Um die eigene Fruchtbarkeit zu signalisieren, genügt jedoch nicht nur ein junges Aussehen. Weitere Merkmale, die sich während der Pubertät ausbilden, sind ein breites Becken, eine schmale Taille sowie ein üppigerer Busen. Das junge Aussehen zusammen mit diesen Merkmalen der Geschlechtsreife signalisieren: „Ich bin jung, aber schon alt genug“

Genau nach dem Schema, wird auch das Gesicht einer Frau beurteilt. Auf der einen Seite sollte es kindliche Merkmale, wie beispielsweise große Augen, ein kleines Kinn und eine kleine Nase aufweisen. Gleichzeitig, soll das Gesicht einer Frau aber auch reif aussehen, was z.B. hohe Wangenknochen symbolisieren.

Ein biologisch verankertes Ideal für Männer ist, dass sie möglichst schlank und trainiert sein sollten. So konnten Sie in der Steinzeit ertragreicher jagen, denn sie hatten genügend Kraft, waren aber auch schnell und wendig. Ein Mann, der eine erfolgreiche Jagt verspricht, kann auch die Familie ernähren, weshalb die Vorliebe der Frau auf genau solche Merkmale fällt.

Biologisch verankerte Ideale zeigen uns, wer ein potentiell guter Partner ist.

Insgasamt klingt das alles ganz logisch, da hat sich die Natur schon was bei gedacht. Aber wirklich nützen tun uns diese Ideale heute nicht. Denn um im Supermarkt etwas zum Essen einzukaufen, muss man nicht sportlich sein und als Frau kann man auch entspannt in einem höheren Alter noch Kinder bekommen. Da diese Merkmale aber als Vorteilhaft in unseren Genen gespeichert sind, können wir uns davon wohl nicht so schnell lösen.

Hinter gesellschaftlichen Schönheitsidealen steckt mehr als nur gutes Aussehen

Auf der anderen Seite fordet die Gesellschaft bestimmte Ideale von uns. Das hat vor allem immer etwas mit Dingen zu tun, die nur schwerz zu erreichen sind.

Ein gutes Bespiel ist das allgemeine Ideal, einen schlanken Körper zu haben. Heute gibt es (zumindestens in den westlichen Ländern) Nahrung im Überfluss. Aber nicht nur gute Nahrung, sondern auch viel ungesundes Essen mit Geschmacksverstärkern, Konservierungsstoffen, ungesunden Fetten und viel Zucker, etc. Dazu kommt der Zeitdruck. Zeit ist Mangelware und deshalb muss es mit dem Essen oft schnell gehen. Schnell bedeutet dann häufig auch ungesund. So ist es heutzutage nicht schwer viel Gewicht zuzunehmen und und einen hohen Körperfettanteil zu haben. Genau deshalb gilt es auch nicht schön.

Nein schön ist, wenn man durch den Körper signalisiert, dass man sich trotz der vielen Versuchungen und Fast-Food-Angeboten durch den Jungel der Do’s- und Dont’s kämpft, diszipliniert bleibt und die Zeit aufbringt, seinen Körper mit der richtigen Nahrung gesund zu ernähren und regelmäßig Sport treibt: schlank und trainiert sollte man heute sein. Am Besten sollte die Haut dazu noch leicht gebräunt sein, denn das zeigt zusätzlich, dass man im Gegensatz zum Durchschnitt der Bevölkerung nicht den ganzen Tag im Büro sitzt und so gut wie nie die Sonne sieht.

Gesellschaftliche Ideale zeigen, wer aus der Masse heraussticht.

Die gesellschaftlichen Ideale verändern sich von Zeit zu Zeit. In früheren Zeiten galt beispielsweise eine fülligere Figur als erstrebenswert, da sich nur wohlhabende Menschen Nahrung im Überfluss leisten konnten. Auch eine helle Haut signalisierte, dass man es im Gegenteil zum Durchschnitt der Bevölkerung nicht nötig hatte auf dem Feld in der Sonne zu arbeiten.

Fazit: Schön ist immer das, was nur schwer, oder gar nicht zu erreichen ist.

Es treffen bei den Schönheitsidealen immer wieder Widersprüche aufeinander: Ich soll jung, aber trotzdem reif aussehen. Ich soll als Frau schlank und trainiert sein, aber trotzdem einen großen Busen und breitere Hüften haben. Die Lebensmittelindustrie bietet mir eine Menge Nahrung an, von der ich aber längst nicht alles essen darf. Ich sollte leicht gebräunt sein, obwohl mir dazu kaum eine natürliche Möglichkeit geboten ist.

Es ist nicht immer unmöglich diese Ideale zu erreichen, aber es gehört viel Disziplin, ein Gewinn in der Genlotterie oder sogar künstliche Eingriffe und kosmetische Optimierungen dazu.

Das sollte man sich beim nächsten kritischen Blick in den Spiegel vor Augen führen: Was diese Ideale von mir verlangen, ist häufig gar nicht möglich. Mit diesem Hintergrundwissen fällt es meiner Meinung nach gleich viel leichter seinen Körper so anzunehmen, wie er ist: mit allen Macken und vermeindlichen Fehlern.


Es wird noch einen zweiten Teil zum Thema Schönheitsideale geben, in dem es dann vor allem um die medieale Verbreitung geht.

Bis dahin, liebt euch so wie ihr seid!

unterschrift


Weitere Teile der Serie:

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