Der Teufelskreis der Selbstverwirklichung – Wie kann ich ihn umgehen?

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Der Teufelskreis der Selbstverwirklichung
Heute melde ich mich nach langer Zeit der Stille endlich mit einem neuen Artikel zurück. Die Frage nach dem Grund meiner Abwesenheit, kann dieser Artikel auch direkt beantworten: Ich war gefangen im Teufelskreis der Selbstverwirklichung. Was das ist und wie ich wieder herausgefunden habe möchte ich hier erklären.

Der Teufelskreis der Selbstverwirklichung

Was ist das eigentlich?

Vielleicht hast du selbst schon einmal diese Erfahrung gemacht oder steckst gerade mittendrin: Du hast vor einiger Zeit beschlossen, dass du kein genormtes Leben nach dem „Schema F“ leben möchtest und angefangen aufzuräumen und viele Dinge zu verändern. Vielleicht hast du deinen Job gekündigt, um endlich das zu tun, was du wirklich liebst, eine Beziehung beendet, die dich nicht wirklich erfüllt hat, oder das Studium geschmissen, um die Welt zu bereisen.

Schluss mit Schema F

Du hattest genug von der Gesellschaft, von den Erwartungen, die du erfüllen solltest, von Regeln, die du einhalten solltest und dem Druck der ständig auf dir lastete. Du wolltest diese Rolle nicht mehr spielen, konntest dich mit ihr nicht mehr identifizieren. Und dann?

Besinnung auf das Selbst

Du hast lautstark rebelliert und bist aus den äußeren Zwängen ausgebrochen um das zu finden, was du wirklich willst. Um das Leben zu führen, was dich wirklich erfüllt. Ein Leben, in dem du niemandem etwas recht machen musst, indem du keine Rolle mehr spielen musst und endlich du selbst sein kannst. Ein Leben in Freiheit!

Vor deinem Ausbruch hast du oft gemerkt, was du alles nicht sein willst. Hast oft gemerkt, was du nicht machen möchtest. Jetzt geht es darum das zu finden, was du wirklich willst. Jetzt willst du den Dingen nachgehen, die dein Herz zum Tanzen bringen und dich erfüllen. Du findest nach und nach immer mehr heraus, was das eigentlich ist und kreierst nach und nach ein Bild, wie dein Leben aussehen könnte. Dir wird immer klarer, was du mit deinem Leben anfangen möchtest und welche Menschen darin vorkommen sollen.

Ein neues Selbstbild entsteht

Aus den vielen alten und neuen Erfahrungen, die du gesammelt hast entsteht so nach und nach ein Bild: dein neues Selbstbild. Ausgehend von diesem Bild suchst du nun nach passenden Menschen, Aktivitäten und Beschäftigungen, um das Selbstbild zu erfüllen und endlich deinen Traum zu leben. Vielleicht bewegst du dich ab jetzt nur noch in einer ganz bestimmten Subkultur, in der du Gleichgesinnte findest mit denen du dich identifizieren und austauschen kannst. Oder du suchst nach einem neuen, passenden Job für dich oder entscheidest dich sogar ein eigenes Business aufzubauen.

Abtauchen in eine neue Welt

Deine Welt verändert sich ziemlich schnell in eine ganz andere, ganz spezielle, in die du immer weiter versinkst. Am Anfang fühlt es sich super an: Du bist endlich da, wo du immer sein wolltest! Doch mit der Zeit bemerkst du die Eigendynamiken dieser neuen Welt, in der du unbedingt leben wolltest, von der du gedacht hast, sie würde dich freier machen als vorher. Es kommen plötzlich neue Erwartungen auf dich zu und es gibt neue Regeln, die du einhalten musst, um ein Teil dieser Welt zu sein. Vielleicht lassen sich diese Regeln besser einhalten als die alten und die Erwartungen sind für dich vielleicht einfacher zu erfüllen als zuvor, doch du kannst irgendwann nicht mehr leugnen, dass sie da sind und einen gewissen Zwang auf dich ausüben.

Teufelskreis der Selbstverwirklichung - totale Freiheit oder eigenes Gefängnis?

Neuer Zwang entsteht

Ich möchte das Phänomen an dieser Stelle an zwei Beispielen verdeutlichen:

Vielleicht hast du deine Leidenschaft schon immer im Sport gesehen und dein Hobby irgendwann zum Beruf gemacht. Du bist Fittnesstrainer*In geworden und nach und nach immer weiter in die Fitness-Welt abgetaucht. Oder du hast dich schon immer für Finanzen interessiert und eine Ausbildung in einer Bank gemacht, um dort immer mehr zu deinem Lieblingsthema zu lernen und einen soliden Einstieg in die Finanz-Welt zu haben.

Deine Arbeit in deiner Neuen Welt hat dir immer richtig viel Spaß gemacht und irgendwann hattest du den Wunsch dich selbstständig zu machen. Du hast dich mit der Zeit in einem bestimmten Bereich spezialisiert und dir so einen Namen gemacht. Deine Kunden und Klienten haben mittlerweile ein bestimmtes Bild von dir – dein Image – was dich so erfolgreich und bekannt macht.

Dein Image gibt den Rahmen vor

Dieses Image gibt nun den Rahmen vor, in dem du dich (öffentlich) bewegen kannst, damit du weiterhin erfolgreich und noch erfolgreicher bist und wirst. Es ist sehr spezifisch und lässt nicht unbedingt viel Raum für anderes.

Doch in dir steckt so viel mehr, als dieses eine spezifische Image abbilden kann. Da sind viele Facetten in dir, die du nicht zeigst oder gar vergisst, weil du zu sehr damit beschäftigt bist ein Image zu wahren. Auf einmal werden viel mehr und viel spezifischere Erwartungen an dich gestellt. Und das kann auf Dauer gefährlich werden, wenn du mit aller Kraft versuchst jemand zu sein, der du so vielleicht gar nicht bist.

Wie umgehe ich den Teufelskreis der Selbstverwirklichung?

Wie kommst du da nun wieder raus? Eine Möglichkeit wäre natürlich wieder komplett zu rebellieren und alles über den Haufen zu schmeißen, um wieder entspannt nach Schema F zu leben. Aber ich bitte dich das nicht zu tun, denn es hat einen Grund warum du in dem was du tust so gut bist: Du gehst deinen Herzensweg!
Mach unbedingt damit weiter, aber beginne deine spezifische Rolle auch als solche zu sehen. Versuche nicht komplett mit deinem Image zu verschmelzen, denn das wird langfristig nur Schmerzen verursachen, da niemand von uns auf ein bestimmtes Label zu reduzieren ist, wie ich bereits in meinem Artikel über das Schubladendenken erklärt habe.

Annahme des komplexen Selbst

Versuche dich als komplexes Selbst anzusehen und anzunehmen. Entdecke deine vielfältigen Facetten wieder und beginne ihnen Platz in deinem Leben einzuräumen. Ein sehr guter Freund von mir hat es einmal so beschrieben:

„Wir sind wie Mosaikvasen, deren Schönheit in der Gesamtheit der vielen bunten Einzelteile liegt.“

Und genauso sehe ich es auch. Vielleicht ist da eine Farbe – sagen wir mal Rot -, die sehr häufig vorkommt, die am meisten Platz benötigt. Diese Farbe ist wahrscheinlich das, was du schon lange von dir zeigst, die eng mit deinem Image verbunden ist. Aber wenn du genauer hinschaust siehst du zwischen den vielen roten Elementen auch grüne, blaue und gelbe. Auch diese Facetten solltest du zeigen und ausleben, um ein ausgeglichenes und erfülltes Leben zu führen.

Aus dem Teufelskreis der Selbstverwirklichung ausbrechen - Lebe all deine Facetten - daseinealles.de

Raum schaffen für alle Facetten

Du brauchst vielleicht nicht jede Facette der gesamten Welt präsentieren, aber du solltest jeder Facette deines Selbst einen eigenen Raum in deinem Leben geben. Hör auf dich selbst zu beschränken und zu belügen. Fang an dich so anzunehmen und auszuleben wie du bist – mit allen Facetten und Farben die du zu bieten hast, denn genau so bist du wunderschön!


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Ich für meinen Teil werde ab jetzt jedes einzelne meiner Mosaikteile zum Leuchten und Strahlen bringen und mich ganz annehmen. Mit allem was ich bin.

Wie sieht es bei dir aus? Steckst du noch im Teufelskreis der Selbstverwirklichung oder hast du dich schon befreit?

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